Artikel von Markus Feuerstack aus der Eckernförder Zeitung Zurück
Altstadtfest – ein Stadtteil voller überschäumender Lebensfreude
Prächtiger Sonnenschein, die Viertel um die Fischerstraße voller Menschenmassen und eine gastfreundliche, weltoffene Nachbarschaft - so präsentierte sich Eckernfördes erstes Altstadtfest.
Eckernförde
Die sonst eher beschauliche Fischerstraße hatte sich in einen quirligen Jahrmarkt der guten Laune verwandelt, als am Sonnabend Nachmittag der Altstadtverein zum ersten Eckernförder Altstadtfest einlud. In der Fischerstraße, Kattsund und umliegenden Gassen schoben sich ab 14 Uhr die Massen der Besucher und lauschten der Musik, informierten sich an den vielen Ständen oder bewunderten die Bilder der Anwohner und der zahlreichen in der Nachbarschaft beheimateten Künstler. Die Räuchereien, legendäre Zeugen der vergangenen Fischerstadt hatten ihre Pforten geöffnet und luden die Besucher ein, genau wie die heimeligen Hinterhöfe, die so idyllisch sich wohl keiner der Zuschauer vorgestellt hatte. Ein Stadtteil und seine Bewohner präsentierten sich. Im Zentrum des Geschehens lud das Café Knarrpanti, umfunktioniert zum „Erzählcafé“ zu vielfältigen Lesungen ein. Bekannte Eckernförder Autoren wie Dietrich Buntrock, Jörg Lütjohann und Klaus Tüxen gaben Kostproben aus ihren Werken. Alte Handwerkkunst präsentierte Ralf Stelzer aus Schwedeneck. Ein an einer transportablen Esse glühend gemachter Eisenstab wurde mit wenigen kraftvollen Hammerschlägen zu Nägeln umgeschmiedet. Handgeschmiedete Nägel wurden vielfach auch noch beim Bau der umliegenden Häusern eingesetzt.
Zum Kulturzentrum entwickelte sich die Räucherei Büll für das Altstadtfest. Im Dämmer des Räucherraumes zeigten die Dias von Willie Eulert die Altstadt in vergangen Zeiten. Bilder von Karl-Heinz Petersen ergänzten die Lichtbilder. Wie die Häuser des alten Eckernförde von den ganz jungen Menschen erlebt werden, zeigte die Ausstellung in der Toreinfahrt. Kinder malten Eckernförder Häuser und Plätze. Im Hof bestand die Möglichkeit die angebotenen Getränke und Fischspezialitäten an den rustikalen Tischen zu verzehren.
Einen besonderen Anziehungspunkt bot die Märchenerzählerin Kaya. Angetan in mittelalterliche Gewänder, behangen mit seltsamen Amuletten und gut behütet unter einem fransigen Zipfelhut mutete sie selbst wie eine Märchengestalt an. Mitten im Trubel des Festes erzählte Kaya ihre Volksmärchen mit kräftiger Stimme und lebhafter Gestik und Mimik. Gerade diese war ihr anfänglich gar nicht so einfach gefallen, berichtete sie im Gespräch. Sie musste erst mühselig lernen wirklich böse auszusehen, wenn die Geschichte dies verlangte. Inzwischen hat sie es gelernt, und manchmal lauschen die Kinder, aber auch die Erwachsenen ein klein bisschen ängstlich auf den Fortgang. Wie man Märchenerzählerin wird, wird sie oft gefragt. Dann lacht sie: „Das war wie in einer Geschichte: Mitten in der Nacht wachte ich auf und dann wusste ich, dass dies mein Beruf wird.“ Und was macht eine Märchenerzählerin im Berufsleben? Natürlich Geschichtenerzählen! Kaya lebt von ihrer Fähigkeit farbig und erlebnisreich berichten zu können.
Bei Trautrims gab es nicht nur frisch geräucherten Fisch zu kaufen, auch die Räume der Räucherei waren geöffnet. Im Zuge der Nachbarschaftshilfe zierten Bilder von Karl-Heinz Petersen die Wände. Auf den blitzsauberen Arbeitstischen konnten die Kinder zusammen mit Marlene Trautrims Rollmöpse drehen.
Cecilie Dronske spinnt Garn. Nicht literarisches wie Dietrich Buntrock, auch nicht märchenhaftes wie Kay, sondern einfach Flachsgarn. Während das fußbetriebene Spinnrad unermüdlich surrt und die Hände den schlanken Faden formen, kann die ehemalige Lehrerin auch über vieles berichten. Zum Beispiel über den Werkstoff Flachs, über den sie eine kleine Ausstellung zusammengetragen hat. Als Stadtführerin ist sie an Eckernfördes Geschichte besonders interessiert und auch forschend tätig. Viele noch nicht bekannte Winkel in und um Eckernförde kann sie den Zuhören beschreibend erschließen.
„Kinder werden zu Fischen“, unter diesem Motto verwandelte der Altstadtverein den Nachwuchs in phantastische Meereswesen. Eingeknüpft in engmaschige Netze, angetan mit allerlei Getier aus ausgeschnittenen Papier wurden sie selber zu Fischen. Am späten Nachmittag wurden dann die Seetiere zum Meerestanz zur Straßenmusik gebeten.
Auch Netze knotend stand Noorfischer Mahrt dem Publikum für Fragen zur Verfügung. Die Besucher wollten natürlich wissen, wie das Reusen-Netz entsteht
Strahlender Jazz im strahlenden Sonnenschein, die Stoker Jazz Band lockte mit lautschallendem Dixie die Besucher in die Altstadt. Etwas ruhiger ging es bei den „Eckernförder Stadtmusikanten“ zu: Helmut Herzog auf der E-Violine, Rainer Beuthel mit seiner neuen Gitarre und der Universalmusiker Gerhard Breier, diesmal bescheiden Mundharmonika blasend.
Eine große Besonderheit bot das Altstadtfest – die wohl einmalige Gelegenheit, in die vielen versteckten Hinterhöfe der Anwohner zu schauen. Viele Eckernförder und Besucher nutzten den Nachmittag ,um die Stadt (neu) kennen zu lernen. Und selbst Menschen, die meinten ihr Alt-Eckernförde bereits erforscht zu haben mussten bekennen: „Es verwundert mich, die Altstadt plötzlich so künstlerisch lebendig zu erleben“ formuliert es Besucher Enrique Ruiz-Hampel aus Rieseby. Und die Umstehenden stimmten ihm lebhaft zu.
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